Orm Finnendahl


  Sonntag, 18.Feb.07
  Veranstaltungsraum
  Kompositionen von Orm Finnendahl

Teil 1 20.00

Kommen und gehen (2000), Uraufführung der Neufassung für 2 Violinen und Elektronik (2006)
Daniel Meller, Della Natasha Davies, Violinen

Fälschung (2002/03) für Streichquartett und Elektronik
Anke Gerstetter, Philemon Ressnig, Violinen
Kaspar Moesinger, Viola
Cécile Grüebler, Cello

Teil 2 21.00

grep (2004) für Altsaxophon, Schlagzeug und Computer
Sascha Armbruster (Saxophon)
Burkhard Beins (Schlagzeug)

Rekurs (1997/98) für Saxophon, Schlagzeug, Klavier und 2 Aufnahmegeräte
Sascha Armbruster (Saxophon)
Pascal Pons (Schlagzeug)
Benjamin Kobler (Klavier)

Teil 3 22.00
Versatzstücke (1999/2004) für Klavier & Zuspielband
Benjamin Kobler (Klavier)
Orm Finnendahl, Klangregie
Willy Strehler, Technik

Eine Veranstaltung der IGNM Zürich und der HMT

Dieses Konzert ist eine Zusammenarbeit der IGNM mit der HMT Zürich.
Orm Finnendahl wird am 16. und 17. Februar an der HMT Vorträge und Workshops zu Themen rund um seine Musik abhalten.
[http://www.ignm-zuerich.ch]
  NEW EVENT Sonntag, 18.Feb.07, 20.00
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Anke Gerstetter, Philemon Ressnig, Violinen,Kaspar Moesinger, Viola,Cécile Grüebler, Cello  

Burkhard Beins (Schlagzeug),Sascha Armbruster (Saxophon), Benjamin Kobler (Klavier)  



 

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  "...es reizt mich, zu beobachten, wie sich ein im Grunde triviales und
nichtssagendes Material aufgrund syntaktischer Verknüpfungen mit Bedeutung
auflädt. Dies sehe ich ganz analog zu vielen gesellschaftlichen Prozessen
oder Ereignissen, die mich täglich bewegen, motivieren oder demotivieren.
Insofern verstehe ich meine Musik als Abbild von Wirklichkeit, oder,
genauer, hoffe, damit meinem Traum von einer Kunst, die im Modus sinnlicher
oder emotionaler Erfahrung Gesellschaft reflektiert, näherzukommen."
Soweit der deutsche Komponist Orm Finnendahl, dessen Kompositionen für
Instrumente und Elektronik bereits um die Welt gegangen sind. In jedem der
fünf hier aufgeführten Werke wagt sich Finnendahl von einer ganz anderen
Seite an diese wohl unerschöpfliche Konstellation, wobei die "Elektronik"
(sei es ein Laptop oder ein Ghettoblasterensemble) nur selten die Rolle des
Lieferanten vorgefertigten Materials übernimmt.
In Kommen und Gehen durchlaufen vier Klangtypen (ein Bartók-Pizzcato, ein
im Fortissimo abreissendes Crescendo, ein hoher Flageolett-Klang und ein
unsicher gespielter Ton) den je gleichen computergesteuerten Prozess, so
dass Unterschiede zwischen den Abschnitten nur auf der Materialebene, nicht
aber in der Syntax entstehen.
Die Authentizität von Volksmusik führt Finnendahl in Fälschung als Fiktion
des Hörers vor, der die fremde Kulturleistung unweigerlich vor dem
Hintergrund des jeweils eigenen Erfahrungshorizonts rezipiert.
Wie in Kommen und Gehen wird im fünfsätzigen Zyklus Versatzstücke dasselbe
elektronische Verfahren auf unterschiedliche Materialien angewandt. Im
Innern des Klaviers gespielte Eröffnungssequenzen werden in vielen
Varianten gestreckt, vervielfacht, transponiert, moduliert und in quasi-
kanonischen Verfahren überlagert. Der Zyklus erzählt aber auch eine
Geschichte des Abschieds, des Verschwindens: liegen der Eröffnungssequenz
im 1. Satz noch 15 Ereignisse zu Grunde, ist es im 3. Satz gerade noch ein
einziges. Ein wuchtiges Aufbäumen des Klaviers im 4. Satz (ohne Elektronik)
verliert sich im letzten Satz, "einer verwegenen Studie über das Rauschen"
(Björn Gottstein).
In grep sind nicht die Spielhandlungen der Musiker in der Partitur fixiert,
sondern die elektronischen Verfahrensweisen durch die der Computer auf die
von den Interpreten gespielten Klänge reagiert. Diese hingegen werden von
den Musikern weitgehend selbst bestimmt.
Den "Widerspruch zwischen technischem Fortschritt und dem fixierten
Stillstand einer Aufnahme" (Björn Gottstein) exponiert Finnendahl in
Rekurs. Ein live gespielter, etwa fünfminütiger Abschnitt wird aufge-
zeichnet, im folgenden Abschnitt über Lautsprecher eingespielt und von den
Musikern kommentiert. Die Summe von Aufnahme und Kommentar wird wiederum
aufgezeichnet, im Folgeabschnitt zugespielt und erneut kommentiert etc. Ein
kompositorisches Spiel mit Vergangenem und Fixiertem, das sich zwar
beobachten und kommentieren, jedoch nicht mehr ungeschehen machen lässt.

Orm Finnendahl studierte von 1983 bis 1990 Komposition und
Musikwissenschaft bei Frank Michael Beyer, Gösta Neuwirth und Carl Dahlhaus
in Berlin. Nach seiner Tätigkeit als künstlerischer Leiter der Kreuzberger
Klangwerkstatt besuchte er 1995-98 weiterführende Studien bei Helmut
Lachenmann in Stuttgart. Bereits parallel dazu begann er zu unterrichten,
u.a. am elektronischen Institut der TU Berlin, am Institut für Neue Musik
der Hochschule der Künste Berlin (das er 1996-2001 leitete), ab dem Jahr
2000 dann am Institut für Computermusik und elektronische Medien (ICEM) der
Folkwang-Hochschule in Essen. Seit 2004 wirkt er als Professor für
elektronische Komposition und Leiter des Studios für elektronische Musik an
er Musikhochschule Freiburg. d






Dieses Konzert ist eine Zusammenarbeit mit der HMT Zürich.
Orm Finnendahl wird am 16. und 17. Februar an der HMT Vorträge und
Workshops und um sine Musik anbieten.
 
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