Billone: 1+1= 1


  Donnerstag, 05.Mai.11
  Ausstellungsraum
  Konzert: Pierluigi Billone: 1+1=1 (2006) für zwei Bassklarinetten

Petra Stump, Bassklarinette
Heinz-Peter Linshalm, Bassklarinette

Petra Stump und Heinz-Peter Linshalm, beide seit längerem als feinfühlige sensible Virtuosen bekannt, spielen Pierluigi Billones Werk 1+1=1. Stump und Linshalm haben sich als neugieriges, risikobereites und kreatives Klarinetten-Duo international einen Namen gemacht. Komponist/innen aus aller Welt komponieren im Auftrag der beiden Musiker, die durch ihren unkonventionellen und inspirierten Zugang begeistern.

Pierluigi Billones 1+1=1 integriert die Körper der Instrumente, der Interpreten und des Saales in ein mehrdimensionales Geschehen, das einerseits, so Billone, zu einem «dauerhaft unausgewogenen, unsymmetrischen», d.h. nicht-synthetisierenden Hören anregt. Andererseits aber fordert es Aufmerksamkeit noch für das kleinste Detail: in vielfachen Übergängen zwischen Luftgeräusch und Ton, zwischen Instrumentalklang, Stimme und (gesprochener, gesungener, geraunter) Sprache entspinnt sich ein Klangraum von großer Suggestionskraft, der zugleich fesselt und zur eigenen Fokusbildung einlädt. Nicht nur der Komponist, auch die Hörenden sollen in Pierluigi Billones Musik zu Entdeckern werden. (Markus Böggemann)

In Zusammenarbeit mit der IGNM Zürich (www.ignm-zuerich.ch).
  Petra Stump 
  Heinz-Peter Linshalm 
  Konzert Donnerstag, 05.Mai.11, 20.30
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 Petra Stump

 Heinz-Peter Linshalm

 



 Petra Stump

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  Der 1960 geborene Pierluigi Billone ist einer der ungewöhnlichsten und zugleich originärsten italienischen Komponisten der Gegenwart. Ausgangspunkt seines kompositorischen Oeuvres ist immer die intensive Auseinandersetzung mit den jeweiligen penibel ausgewählten Instrumenten. So entstanden in den letzten Jahren Werke mit oft ungewöhnlichen Besetzungen, die durch ihre komplexe wie auch luzide Schönheit beeindrucken.

Komponieren bedeutet für Pierluigi Billone das Aufsuchen des (noch) Unbekannten, das Ins-Werk-Setzen einer «Mensch-Ding-Klang-Beziehung, die an einem Nullpunkt beginnen kann». Kunst wird für ihn und für uns als seine Hörende zu einer nicht-diskursiven, mit der Sprache nicht einholbaren Form von Erkenntnis, zum Forum einer einzigartigen und bereichernden Erfahrung: «Ein Stück im emphatischen Sinne will ein Ort sein, an dem das, was gegenwärtig wird und seinen Beziehungsreichtum entfaltet, die Stabilität dessen verändert, was bereits bekannt ist.» Gleichzeitig erscheint das so konzipierte Werk als «Ort, der offen bleibt, und den dann auch andere bewohnen und nach ihren Massgaben durchstreifen können».

«Ein Tropfen plus ein Tropfen ergibt einen grösseren Tropfen, nicht zwei!» So erklärt der «Spinner» Domenico in Andrej Tarkovskijs Film «Nostalghia» die Aufschrift «1+1=1» an seiner Hauswand, während er zwei Tropfen Öl in seine Hand giesst. Mit dem Titel seines abendfüllenden Stückes weist Billone auf ein tieferes Verständnis von «Einheit» hin.

Jedes Musikinstrument erreicht seine Vollkommenheit dadurch, dass zu seinen Eigenschaften ein ganzes Erbe an körperlichen Wahrnehmungen und Fähigkeiten hinzukommt, welches im Umgang mit der Materie, mit der Klangvorstellung und mit der Spiel- und Hörkultur, die es hervorgebracht hat, entstand. Obwohl die Haupteigenschaften des Instruments unverändert bleiben, ist die Spielpraxis doch wie ein sensibler Organismus, der Musiker und Instrument zu lebendiger Materie mit eigener Intelligenz verwandelt.

Zwei Klarinetten befinden sich im grösstmöglichen Abstand, der noch eine wechselseitige akustische Einflussnahme erlaubt. Jede Klangquelle wird teils vollkommen isoliert behandelt, anderseits funktioniert der Konzertraum selbst wie das Innere eines Instrumentes. Die Dishomogenität und die unterschiedlichen Streuungspotentiale des Klarinettenansatzes bedienen dieses Spannungsfeld ideal und regen so ein dauerhaft unausgewogenes, unsymmetrisches Hören an.

1+1=1 spielt an auf das Erkennen der Praktik und der Intelligenz des Klanges als bewusste Zugehörigkeit zu einer impersonellen Dimension, deren Grenzen nicht gezogen sind (wie in einem Tropfen Öl...).

Moritz Müllenbach
 
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