Konzert: CHANGEANT Franziska Welti & Moritz Müllenbach


  Sonntag, 06.Nov.11
  Veranstaltungsraum
  Franziska Welti, Sopran
Moritz Müllenbach, Violoncello

Die Sängerin Franziska Welti und der Cellist Moritz Müllenbach begannen ihre Zusammenarbeit dank einer Einladung zum Two Days and Two Nights of New Music-Festival in Odessa im April 2011. Mit ausgewählten Stücken aus dem Ukrainer Konzert und neu hinzugetretenen Werken haben die beiden Musiker darauf ein Programm zum Thema Perspektivenwechsel entwickelt.


Juliana Hodkinson (*1971)
Scrape (2010) für Violoncello solo (8’)

Christoph Neidhöfer (*1967)
Vier Lieder nach Robert Walser (1995) für Sopran und Violoncello (7’)

Ludmila Samodaieva (*1951)
Hnyu (2011), Mini-Monoopera for soprano and violoncello, UA, Text: Daniil Charms (12’)

Iris ter Schiphorst (*1956)
Changeant (2004) für Stimme solo und CD-Player ad lib., Text: Karin Spielhofer, (10’)

Jürg Wyttenbach (*1935)
ENCORE! Tics and tricks for an actress and a cello-player (1987), Text: Alphonse Allais, A Rajah who is bored (15’)
  Konzert Sonntag, 06.Nov.11, 20.00
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  Musikalischer Ausgangspunkt für Iris ter Schiphorsts Changeant für Stimme solo und CD-Player (ad. lib.) sind vier Gesangsgesten, die den vier Sprachen des zugrunde liegenden Texts von Karin Spielhofer zugeordnet werden. Die fliessenden Übergänge vom theatralischen Sprechen zum Gesang entsprechen dabei den wechselnden Identitäten, die die Performerin, zwischen Kommunikationspartnern verschiedener Nationalitäten und zwischen den Geschlechterrollen sich bewegend, annehmen muss.

Einen Identitätswandel erfährt auch die Protagonistin von Ludmila Samodaievas Hnyu (2011) für Sopran und Violoncello nach den fünf gleichnamigen expressionistischen Gedichten von Daniil Charms. Die in vier zyklischen Stationen uraufgeführte „Mini-Monoopera“ lässt sich gleichermassen als Beschreibung der Entwicklung eines unbescholtenen Mädchens zur erfahrenen Frau verstehen wie auch generalisierend als Weg des Menschen von seinem Ursprung in zivilisatorische Verhältnisse.

Der Lebensweg des lyrischen Ich aus Christoph Neidhöfers 4 Liedern nach Robert Walser für Sopran und Violoncello ist bereits an seinem Ende. Eine Abkehr von der Welt wird vollzogen, parallel zur Verdunkelung von Verstand, Herz und Sinnen.

Jürg Wyttenbachs kolonialisierungskritisches Stück ENCORE! Tics and tricks for an actress and a cello-player nach dem Text A Rajah who is bored von Alphonse Allais lässt den dandyhaft agierenden Cellisten von der Schauspielerin/ Chansonnière kokett umspielen. Dabei wird die Geschichte eines Rajas erzählt, der Schicht um Schicht in das Innerste einer schönen Tänzerin vordringen will, bis nur noch ein enthäuteter Kadaver von ihr übrig bleibt. Begehren schlägt um in einen Gewaltakt.

Im übertragenen Sinne unter die Haut geht auch Juliana Hodkinsons Scrape für Cello solo. Die Komponistin positioniert hierfür den Spieler auf einer Metallplatte, über die dieser mit nagelbeschlagenen Schuhen scharrt. Die Grenzen zwischen musikalischer Schönheit und akustischer Gewalt werden hier nicht bloss berührt.
 
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