Festival
Donnerstag 12.03.2026 – Samstag 14.03.2026
Taktlos Festival 2026
DONNERSTAG, 12. MÄRZ
20:00 Andreas Tschopp
21:30 Stian Westerhus
FREITAG, 13. MÄRZ
20:00 Tor Haugerud
21:15 «Hikikomori»
22:30 MAG
SAMSTAG, 14. MÄRZ
20:00 Caroline Kraabel & John Edwards
21:15 Ibelisse Guardia Ferragutti & Frank Rosaly: MESTIZX
22:30 FRACHTER
KURATION: JOANA ADERI
Tickets:
Festivalpass (3 Tage)
Regulär 120 CHF · Reduziert* 90 CHF · Studierende/Schüler*innen 65 CHF
Tagesticket (Do / Fr / Sa)
Regulär 45 CHF · Reduziert* 35 CHF · Studierende/Schüler*innen 25 CHF · Support 55 CHF
* Reduziert: Kulturlegi, Sonart, IV
Bitte Vorverkauf nutzen:
https://eventfrog.ch/de/p/festivals/weitere-festivals/taktlos-festival-2026-7417170371118374092.html
Als die Sängerin Joana Aderi die Anfrage zur Kuration des Taktlos 2026 bekam, wollte sie im ersten Moment ablehnen. Nach der Pandemie und über fünfzehn Jahren Bühnenerfahrung hatte sie beschlossen, nur noch ausgewählte Konzerte zu geben und sich verstärkt auf die Musiktherapie zu konzentrieren. Doch je länger sie darüber nachdachte, desto mehr wurde ihr klar, dass gerade jetzt der passende Zeitpunkt sein könnte, um das Programm für ein Festival wie das Taktlos zu gestalten. Denn Selbstreflexion und die ganz grundsätzliche Frage, was Musik auf der Bühne kann und will, wirkt sich auch auf die Auswahl der Musikschaffenden aus. Die erste Frage dabei war für Joana Aderi: Wen will ich bei diesem Festival zusammenbringen?
Die naheliegende Antwort ist, dass es sich vorwiegend um Musiker*innen handelt, die Joana Aderi in ihrer Karriere und in ihren Lebensstationen kennen und schätzen gelernt hat. So studierte sie beispielsweise bei Tor Haugerud in Norwegen Improvisation, hat mit Frank Rosaly in Chicago gelebt. Mit Andreas Tschopp teilt sie sich ihren Proberaum in Zürich, und mit MAG verbindet sie eine stilistische Schwesternschaft, die sich auch darin zeigt, dass sich die beiden immer wieder an Festivals und Veranstaltungen begegnen.
Doch die Bekanntschaften allein würden als Auswahlkriterium zu kurz greifen. Denn die Künstler*innen verbindet eine ganz entscheidende Qualität, die Joana Aderi sehr wichtig ist: Sie alle verfügen in unterschiedlicher Weise über eine aussergewöhnliche Präsenz auf der Bühne. Eine Körperlichkeit, ob in der Stimme, im Saitenspiel oder beim Griff in die Tasten. Eine intrinsische Motivation in dem, was sie tun. Es ist Musik, bei der es nicht um das Ego geht, sondern um den Moment. Um das, was im Zusammenspiel mit anderen Musiker*innen oder auch mit dem Publikum im Hier und Jetzt entsteht. Ganz bewusst wird dabei auf eine aufwändige Szenografie oder Visuals verzichtet. Stattdessen ist Platz für Sinnlichkeit und Eigensinn, für wummernde Bässe ebenso wie für leise Töne.
ANDREAS TSCHOPP
Andreas Tschopp: Kudu horn, trombone, flutes, samplers
WHAT IF WE ALIGN OUR BREATH
Andreas Tschopp begegnete 2016 während einer Residency in Südafrika zum ersten Mal dem Kuduhorn und war sofort fasziniert von dessen einzigartigem Klang. Traditionell zumeist in rituellem Kontext geblasen, kaufte er drei Hörner und nahm sie mit zurück in seinen Proberaum in der Schweiz. Über die Jahre vertiefte er sein Wissen über und seine Beziehung zur südafrikanischen Musik rund um die Kuduhörner und versuchte, diese einzigartigen Klänge in seine eigene Musik einzubauen. Das daraus resultierende Solo-Album What If We Align Our Breath wurde in Zürich und Johannesburg aufgenommen und erforscht Themen wie Stille, Hoffnung und Verbundenheit. Tschopps Zusammenarbeit mit südafrikanischen Musikern und seine Verwendung von Effekten schaffen eine harmonische Mischung aus akustischen und elektronischen Klängen, die an Minimal Music und Ambient erinnert.
STIAN WESTERHUS
Stian Westerhus: guitar, voice
Als exzentrischer Ausnahmegitarrist und Sänger reist Stian Westerhus durch Jahrhunderte der Musikgeschichte bis in die Zukunft. Vom barocken Stabat Mater über expressionistisches Musiktheater bis hin zu durch Effektgeräte geschredderten E-Gitarren-Sounds bleibt seine Musik stets unvorhersehbar und spannungsgeladen. Zuweilen klingt das wie Radiohead auf Ketamin oder erinnert an David Bowies wildeste Momente in den 1990ern. Fast schon dämonisch und besessen wird gegrowled und gefaucht oder manchmal ganz sanft gesungen. Stian Westerhus kann auch leise und ist präzise in der Entwicklung seiner Dramaturgie. Sein Gitarrenspiel ist ebenso unkonventionell wie virtuos.
TOR HAUGERUD
Tor Haugerud: drums, percussion
STARS WE CANNOT SEE
Tor Haugerud ist ein etablierter und aktiver Improvisationsmusiker in der norwegischen Jazzszene. In seinem Solo-Konzert präsentiert er Musik, die auf seinem neuesten Album Stars We Cannot See basiert und doch frei und im Moment entsteht. Field Recordings von einem Markt in China vermischen sich mit der Haptik des Schlagzeugs. Die Schwingungen von Gongs und Saiten erzeugen Interferenzen. Sogar der Handling-Noise vom Aufnahmegerät wird Rhythmus und Teil der Musik. Tor Haugerud bleibt fokussiert wie ein Teemeister beim Gong Fu Cha, der traditionellen chinesischen Teezeremonie. Beobachtet, hört hin, lässt die Musik sich entfalten wie die Geschmacksnuancen eines hochwertigen Pu-Erh-Tees. Mit feinem Gespür für Raum und Dramaturgie bespielt er unsere Wahrnehmung der Zeit.
MAG
Magdalena Ågren: trombone, vocals, synths, drum machine,
homemade electronics, effects, loopers, samplers
Electropunk, Jazz-Avantgarde oder Rave? Alles zusammen, und zwar nicht einfach ein bisschen von allem, sondern wirklich alles, und zwar ganz: Das ist MAG.
Mit Megaphon, verzerrter Posaune und selbstgebastelter Elektronik gibt die schwedische Musikerin den Takt an. Magdalena Ågren ist eine Instanz in der Göteborger Underground-Musikszene. Ihre Tentakel reichen von der Vergangenheit bis in die Zukunft. Die Musik entwickelt Energie aus dem Persönlichen und politische Sprengkraft aus dem Privaten. Jedes Konzert ein Protest gegen Staat und Patriarchat. Egal ob Festival oder Club: Mit ihrer wuchtigen Stimme und Präsenz vermag sie jeden Raum für sich einzunehmen. Ein Auftritt am Taktlos 2026 mit Ansage.
«HIKIKOMORI»
Joana Aderi: composition, voice
Pablo Giw: trumpet
Vincent Glanzmann: drums
Vincent Membrez: synths
Andel Strube: flute
Andreas Tschopp: trombone, flute
Marc Unternährer: tuba
Mit Becken und Rückkoppelung erzeugt das Schlagzeug ein futuristisches Rauschen. Einzelne Flötenklänge tasten sich vorsichtig in den stillen Raum. Das Bühnenprogramm «Hikikomori» ist im Rahmen einer Residency im Zürcher Moods entstanden. Die Sängerin und Musiktherapeutin Joana Aderi widmet sich in dieser Komposition dem Phänomen der Hikikomori. Der Begriff stammt aus dem Japanischen und bezeichnet Personen, die sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurückziehen und in ihren eigenen vier Wänden vereinsamen.
Mit musikalischen Mitteln befragt Joana Aderi diesen Rückzug von der Gesellschaft und versucht, diesem komplexen Geflecht zwischen Individuum und Kollektiv einen Klang und eine Stimme zu geben.
CAROLINE KRAABEL & JOHN EDWARDS
Caroline Kraabel: alto saxophone, voice
John Edwards: double bass
Sie lassen Spatzen im Garten über ihre Noten laufen und damit die Komposition mitgestalten oder improvisieren Musik auf Spaziergängen mit ihren Kindern. Aus der Londoner Improv-Szene längst nicht mehr wegzudenken, sind die Saxofonistin und Sängerin Caroline Kraabel und der Bassist John Edwards aktiv wie eh und je. In der Punk-Szene der 1980er sozialisiert, begegnen sie den Herausforderungen der Gegenwart mit einem autodidaktischen DIY-Spirit.
In Zeiten der allumgreifenden Quantifizierung und Berechenbarkeit ist es umso erfrischender, dass Musik tatsächlich noch im Moment und aus dem Moment heraus entsteht. Auch nach vielen Hunderten von Konzerten und Aufnahmen an der Seite von illustren Namen aus der freien Szene bringen die beiden bei jedem Auftritt aufs Neue ihre einnehmende Präsenz auf die Bühne.
IBELISSE GUARDIA FERRAGUTTI & FRANK ROSALY: MESTIZX
Ibelisse Guardia Ferragutti: voice, guitar, synths, performance
Frank Rosaly: drums, percussion, electronics
James McClure: trumpet, synths
Lida Brouskari: synths
Uldis Vītols: bass guitar
«Lots of sonic wonders colliding in really great ways» schwärmt der US-amerikanische Radiosender NPR über das Debütalbum MESTIZX von Ibelisse Guardia Ferragutti und Frank Rosaly. Der Titel lehnt sich an das portugiesische Wort mestiço an, eine Bezeichnung für «Mischlinge» zwischen Indigenen und Europäern aus der Kolonialzeit. Als eine Form des Empowerment dekolonialisieren die Sängerin mit bolivianischen sowie brasilianischen und der Schlagzeuger mit puerto-ricanischen Wurzeln diesen Begriff. Sie mischen Bomba und Cumbia mit Avant-Jazz- und Post-Rock-Elementen zu einem einzigartigen Spektrum von Klängen. Dabei verbinden sich musikalische Berührungen mit kosmologischen Erzählungen zu einer einnehmenden und energiegeladenen Musik.
FRACHTER
Daniel Sailer: E-Contrabass, Bass Pedals, Tubes, Fog
Flo Götte: E-bass, Bass Pedals, Tubes
Nebelmaschinen, Türme von Verstärkern und davor zwei Gestalten an Bassgitarren. Andernorts als «zeitlupenartiges, stoisches Schlingern mehrerer hunderttausend Tonnen Stahl bei hohem Seegang» beschrieben, bringt FRACHTER Drones in den tiefsten Frequenzbereichen hervor. Riffs werden bis zur Unkenntlichkeit ausgebremst, erzeugen in der Wiederholung einen hypnotischen Sog tiefer und tiefer ins Unbewusste. Daniel Sailer und Flo Götte schaffen ein Hörerlebnis für den ganzen Körper. Nicht nur das Trommelfell, sondern auch Haut, Magen, Brust und Muskeln werden von den Schallwellen massiert. Musik wie eine arktische Ozeanexpedition. Musik aus dem Maschinenraum eines Frachtschiffes. Langsam, tief und laut.